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Ratgeber · Strategie ·

Jahresplanung 2027: Wie leiten Sie aus Ihrem Drei-Jahres-Ziel die richtigen Prioritäten für das nächste Jahr ab?

Im Herbst beginnt in vielen Betrieben dasselbe Ritual: Man nimmt das Umsatzziel des laufenden Jahres, schlägt ein paar Prozent auf, und der Plan für das nächste Jahr steht. Das ist bequem, aber es ist eine Fortschreibung, keine Planung. Eine gute Jahresplanung fragt etwas anderes: Was muss 2027 passieren, damit Ihr Zielbild in drei Jahren erreichbar bleibt?

Ein Inhaber heftet leere Karten an die Wand des Besprechungsraums, zwei Führungskräfte aus seinem Team verfolgen am Tisch die Planung — Jahresplanung mit dem Führungsteam

Wer die Jahresplanung 2027 jetzt im Herbst angeht, hat noch Zeit, das Führungsteam einzubinden. Die folgende Methode führt in fünf Schritten vom Drei-Jahres-Ziel zu drei bis fünf Jahresprioritäten mit Verantwortlichen und Quartalsetappen.

Warum das Fortschreiben des Vorjahres nicht reicht

Ein fortgeschriebenes Umsatzziel beantwortet die Frage „Wie viel mehr?“, aber nicht die Frage „Was anders?“. Es beschreibt ein Ergebnis, keine Handlung. Am ersten Arbeitstag im Januar weiß niemand im Betrieb, was er deswegen anders tun soll als bisher. Und wenn Ihr Zielbild eine echte Veränderung verlangt, etwa ein neues Standbein, eine tragfähige Führungsebene oder einen Vertrieb, der nicht mehr am Inhaber hängt, dann kommt diese Veränderung in einer Fortschreibung schlicht nicht vor. Das Vorjahr wird verlängert, mit all seinen Engpässen.

Schritt 1: Das Drei-Jahres-Ziel auf den Tisch legen

Jahresprioritäten brauchen einen Bezugspunkt. Beschreiben Sie deshalb zuerst, wo Ihr Unternehmen Ende 2029 stehen soll: Was bieten Sie an und für wen? Wie ist das Team aufgestellt, wer führt welche Bereiche? Wie unabhängig ist der Betrieb von Ihnen als Inhaber? Welche wenigen Kennzahlen zeigen, dass Sie angekommen sind? Je konkreter dieses Bild, desto leichter fällt der nächste Schritt. Wer noch kein solches Zielbild hat, sollte es vor der Jahresplanung erarbeiten. Wie das geht, beschreibt der Beitrag über Backcasting.

Schritt 2: Rückwärts fragen, was 2027 passieren muss

Jetzt drehen Sie die Blickrichtung um. Statt vom heutigen Stand aus nach vorn zu planen, arbeiten Sie sich vom Ziel zurück:

  1. Was muss Ende 2028 erreicht sein, damit das Zielbild Ende 2029 realistisch ist?
  2. Was muss dafür Ende 2027 stehen? Sammeln Sie alle Kandidaten, ohne sie gleich zu bewerten.
  3. Sieben Sie auf drei bis fünf Prioritäten. Prüffragen helfen: Zahlt das direkt auf das Zielbild ein? Ist es Voraussetzung für etwas, das später kommt? Bleibt es liegen, wenn es nicht ausdrücklich Vorrang bekommt?

Formulieren Sie jede Priorität als Zustand am Jahresende, nicht als Tätigkeit. „Wir kümmern uns um die Kundenbetreuung“ ist eine Absicht. „Ende 2027 werden die wichtigsten Stammkunden von festen Ansprechpartnern aus dem Team betreut, nicht mehr vom Inhaber“ ist eine Priorität, an der sich messen lässt, ob Sie vorankommen.

Schritt 3: Bewusst weglassen

Der schwierigste Teil der Jahresplanung ist nicht das Auswählen, sondern das Streichen. Führen Sie deshalb neben den Prioritäten eine zweite Liste: Was machen wir 2027 ausdrücklich nicht? Dorthin gehören:

  • Gute Ideen, die nicht auf das Zielbild einzahlen, auch wenn sie reizvoll sind.
  • Themen, die erst 2028 dran sind, weil ihnen noch eine Voraussetzung fehlt.
  • Das Tagesgeschäft. Es muss laufen, aber es ist keine Jahrespriorität. Wer es auf die Liste setzt, verwässert sie.
  • Lieblingsprojekte, die seit Jahren mitlaufen, ohne dass jemand ihren Beitrag benennen kann.

Sprechen Sie diese Liste im Team offen aus. Erst sie gibt den Mitarbeitenden die Erlaubnis, Nein zu sagen, wenn im Frühjahr die nächste dringende Idee kommt.

Schritt 4: Verantwortung und Quartalsetappen festlegen

Eine Priorität ohne Namen bleibt eine Absichtserklärung. Legen Sie für jede fest:

  • Eine verantwortliche Person, keinen Bereich und nicht den Inhaber für alles. Diese Person muss nicht alles selbst tun, aber sie hält die Fäden zusammen und berichtet.
  • Vier Etappen, rückwärts geplant: Die letzte ist der Zustand am Jahresende. Davon ausgehend: Was ist Ende des dritten Quartals sichtbar, was Ende des zweiten, was Ende des ersten? Die erste Etappe sollte klein und konkret sein, damit der Anfang im Januar wirklich gelingt.
  • Eine, höchstens zwei Messgrößen, an denen Sie den Fortschritt erkennen. Passende Kandidaten finden Sie im Beitrag über Kennzahlen für Geschäftsführer.
  • Einen festen Prüfrhythmus: kurz im Monat, ausführlich am Ende jedes Quartals. Dort wird nachgesteuert, nicht erst im nächsten Herbst.

Warum gute Pläne gerade an dieser Stelle oft versanden, beschreibt der Beitrag zur Strategieumsetzung im Alltag.

Schritt 5: Das Führungsteam einbeziehen

Eine Jahresplanung, die der Inhaber allein am Wochenende schreibt, ist schnell fertig und lange fremd. Wer die Prioritäten umsetzen soll, sollte sie mit erarbeiten. Eine bewährte Aufteilung:

  • Der Inhaber bringt das Zielbild und den Rahmen ein: wohin es gehen soll, was nicht verhandelbar ist, welche Mittel zur Verfügung stehen.
  • Das Führungsteam erarbeitet die Kandidaten, die Etappen und die Stopp-Liste. Es kennt die Engpässe im Betrieb oft genauer als der Inhaber.
  • Der Entscheidungsmodus ist vorher klar: Entscheidet das Team gemeinsam, oder hört der Inhaber alle an und entscheidet dann? Beides ist legitim, unklar sollte es nicht sein.
  • Das Ergebnis passt auf eine Seite: Zielbild, Prioritäten, Verantwortliche, Etappen, Stopp-Liste.

Den passenden Rahmen bietet ein halber oder ganzer Tag außerhalb des Tagesgeschäfts. Wie Sie ihn so vorbereiten, dass am Ende Entscheidungen stehen, lesen Sie im Beitrag über den Strategieworkshop mit dem Führungsteam.

Ein Beispiel aus dem Alltag

Denken Sie an einen inhabergeführten Anlagenbauer. Jahr für Jahr sah die Planung gleich aus: Das Umsatzziel wurde um einen Aufschlag erhöht und auf die Vertriebsmitarbeiter verteilt. Der Inhaber gab weiter jedes Angebot selbst frei, und die Idee, das Wartungsgeschäft auszubauen, kam in jeder Planungsrunde vor und in keiner Umsetzung.

Diesmal beginnt die Planung beim Zielbild: In drei Jahren soll die Wartung ein eigenes, verlässliches Standbein sein, und der Betrieb soll Angebote ohne den Inhaber erstellen und freigeben können. Rückwärts gefragt ergeben sich für 2027 drei Prioritäten: Das Wartungsangebot ist beschrieben und wird allen Bestandskunden angeboten. Die Angebotsfreigabe liegt in einem schriftlichen Rahmen bei den Bereichsleitungen. Und für die Wartung gibt es eine Person, die sie verantwortet. Auf die Stopp-Liste kommen die Erschließung einer neuen Region und der Wechsel der Unternehmenssoftware; beides bleibt für später. Das Umsatzziel gibt es weiterhin, aber es steht nicht mehr allein. Es ist jetzt die Folge der Prioritäten, nicht ihr Ersatz.

Die Planung mit einer geförderten Beratung begleiten

Wer Zielbild, Prioritäten und Fahrplan nicht allein erarbeiten möchte, kann sich dabei begleiten lassen. Bei ONFYR umfasst eine Beratung Diagnose, Zielbild per Backcasting, Fahrplan und Begleitung, in fünf Beratungstagen (40 Stunden) über vier bis sechs Wochen. Michael Selck ist beim BAFA als Berater akkreditiert (ID 228667). Die Beratung kann über das BAFA förderfähig sein. Beachten Sie dabei die zwingende Reihenfolge: erst der Antrag, dann das Informationsschreiben des BAFA, erst danach Vertrag und Beginn der Beratung. Die aktuelle Richtlinie gilt bis zum 31.12.2026. Eine Bewilligung kann niemand zusagen, das BAFA entscheidet nach Ermessen. Die Umsetzung der Prioritäten, etwa eine neue Website oder ein KI-System, wird getrennt beauftragt und ist nicht förderfähig.

Ihr nächster Schritt

Ob Ihr Zielbild schon trägt oder ob die Jahresplanung 2027 erst einmal ein klares Ziel braucht, lässt sich in einem kurzen Gespräch klären. Das Erstgespräch mit ONFYR ist kostenlos, dauert 30 Minuten und ist unverbindlich. Fragen Sie es über unser Kontaktformular an oder buchen Sie direkt einen Termin per Microsoft Teams oder Telefon; werktags meldet sich innerhalb von 24 Stunden ein Mensch. Wie die BAFA-Förderung für Ihre Beratung funktioniert, zeigt das Rechenbeispiel auf unserer Startseite.

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