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Ratgeber · Strategie ·

Kennzahlen, die ein Geschäftsführer wöchentlich sehen sollte — KPI im Mittelstand als Führungsinstrument für die Unternehmenssteuerung mit Kennzahlen

Die Auswertung des Steuerbüros zeigt, was im letzten Monat passiert ist. Entscheiden müssen Sie aber für die nächsten Wochen. Ein kleines Set an Kennzahlen aus Vertrieb, Auslastung, Personal und Liquidität, jede Woche zur selben Zeit angeschaut, macht aus dem Bauchgefühl ein Führungsinstrument — und aus dem Fahrplan messbare Ziele.

Eine Geschäftsführerin steht morgens mit Kaffeetasse am Fenster und blickt auf den Betriebshof — die Zahlen der Woche im Kopf

Viele Geschäftsführer im Mittelstand kennen ihr Unternehmen sehr genau — und steuern trotzdem oft auf Sicht. Die betriebswirtschaftliche Auswertung kommt einige Wochen nach Monatsende, der Jahresabschluss noch später. Bis eine Abweichung dort sichtbar wird, ist sie längst eingetreten. Kennzahlen für Geschäftsführer sollen das Gegenteil leisten: früh zeigen, wohin sich etwas bewegt, solange Sie noch gegensteuern können.

Warum Unternehmenssteuerung mit Kennzahlen wöchentlich stattfinden sollte

Die meisten Zahlen, die im Betrieb ohnehin anfallen, sind Spätindikatoren: Umsatz, Ergebnis, Rohertrag. Sie zeigen, was gewesen ist. Für die Führung brauchen Sie zusätzlich Frühindikatoren, die verraten, was kommt: Wie viele Anfragen sind eingegangen? Wie voll ist der Plan der nächsten Wochen? Welche Zahlungen stehen an? Diese Werte verändern sich schnell, deshalb passt ein wöchentlicher Blick besser als ein monatlicher.

Die Woche hat noch einen zweiten Vorteil: Sie ist der natürliche Rhythmus, in dem Sie ohnehin planen, Aufträge verteilen und mit Ihren Führungskräften sprechen. Wer jede Woche dieselben wenigen Zahlen ansieht, erkennt Muster, bevor sie zum Problem werden — und gewöhnt das Team daran, in Ergebnissen zu denken statt in Aktivitäten.

KPI im Mittelstand: vier Bereiche, ein kleines Set

Der häufigste Fehler ist nicht, zu wenig zu messen, sondern zu viel. Einen Bericht mit Dutzenden Positionen liest niemand jede Woche. Bewährt hat sich die Regel: höchstens drei Kennzahlen je Bereich, auf einer Seite. Welche es genau sind, hängt von Ihrem Geschäftsmodell ab. Die folgende Auswahl ist ein Ausgangspunkt, kein fester Katalog.

Vertrieb: Was kommt herein?

  • Neue qualifizierte Anfragen der Woche — nicht alle Kontakte, sondern die, die zu Ihrem Angebot passen.
  • Offene Angebote nach Anzahl und Volumen, dazu die Angebote, die diese Woche hinausgegangen sind.
  • Auftragseingang der Woche und, über mehrere Wochen betrachtet, die Abschlussquote aus Angeboten.

Auslastung: Wie voll ist der Plan?

  • Verplante im Verhältnis zu verfügbaren Stunden für die kommenden Wochen, nicht nur für die laufende.
  • Auftragsreichweite: Für wie viele Wochen reicht der Auftragsbestand bei heutiger Kapazität?
  • Termintreue oder Rückstand: Wie viele zugesagte Termine oder Lieferungen sind in Verzug?

Personal: Trägt das Team die Last?

  • Anwesenheit und Abwesenheiten der kommenden Woche, zusammengefasst und nicht personenbezogen.
  • Mehrarbeit im Team als Summe — steigt sie über Wochen, ist sie ein Warnsignal, kein Fleißnachweis.
  • Offene Stellen und laufende Bewerbungen: Wie viele Bewerbungen sind im Prozess, wie viele warten auf eine Antwort?

Liquidität: Reicht das Geld für die nächsten Wochen?

  • Kontostand und rollierende Liquiditätsvorschau für die kommenden Wochen bis Monate.
  • Überfällige Forderungen: Welche Rechnungen sind fällig und noch nicht bezahlt?
  • Fällige Ausgaben der nächsten Wochen: Löhne, Lieferanten, Steuern, Raten.

Kennzahlen für Geschäftsführer: So wird das Set zum Führungsinstrument

Zahlen allein führen nicht. Sie werden erst dann zum Instrument, wenn ein paar einfache Regeln gelten:

  1. Jede Kennzahl ist schriftlich definiert. Was zählt als qualifizierte Anfrage? Ab wann ist eine Rechnung überfällig? Ohne Definition streitet man über Zahlen statt über Entscheidungen.
  2. Jede Kennzahl hat eine verantwortliche Person. Sie liefert den Wert pünktlich und kann ihn erklären.
  3. Jede Kennzahl hat einen Zielwert und eine Schwelle. So sehen Sie auf einen Blick, wo es grün ist und wo Sie handeln müssen.
  4. Der Verlauf zählt mehr als der Einzelwert. Eine schwache Woche ist eine Information, drei schwache Wochen in Folge sind eine Aufgabe.
  5. Ein fester, kurzer Termin. Immer derselbe Wochentag, immer dieselbe Seite, am Ende eine klare Frage: Was tun wir bis nächste Woche anders?

Vom Fahrplan zur Wochenzahl

Woher wissen Sie, welche Kennzahlen für Sie die richtigen sind? Aus Ihrem Ziel. In der ONFYR-Methode aus Diagnose, Zielbild, Fahrplan und Begleitung entsteht zuerst ein Zielbild für Ihr Unternehmen in drei Jahren. Von dort planen wir rückwärts — wie im Beitrag über Backcasting beschrieben. Der Fahrplan enthält dann konkrete Maßnahmen mit messbaren Kennzahlen, Zeithorizont und Priorität.

Genau hier schließt sich der Kreis: Die Wochenzahlen sind die kleinste Einheit dieses Fahrplans. Wenn das Zielbild etwa vorsieht, dass Anfragen künftig planbar über die eigene Website kommen, gehört die Zahl der qualifizierten Anfragen auf Ihre Wochenseite. Sieht es vor, dass Sie selbst weniger im Tagesgeschäft arbeiten, gehört die Auslastung Ihrer Führungskräfte dazu. So wird jede Woche sichtbar, ob Sie auf Kurs sind.

Ein Beispiel aus dem Alltag

Denken Sie an einen Dienstleistungsbetrieb, dessen Geschäftsführerin jeden Montag zuerst die Kontoauszüge prüft und dann den Wochenplan. Beides fühlt sich gut an — bis im Spätsommer mehrere Wochen nur wenige Aufträge hereinkommen. Sichtbar wird das erst Wochen später, als die Kolonnen plötzlich nicht mehr ausgelastet sind und die Liquidität knapp wird.

Im Rückblick war das Signal früh da: Die Zahl der Anfragen war über mehrere Wochen gesunken, nur hatte sie niemand regelmäßig angesehen. Mit einer Wochenseite, auf der Anfragen, Auftragsreichweite und Liquiditätsvorschau nebeneinanderstehen, wäre die Frage rechtzeitig auf dem Tisch gewesen: Was tun wir jetzt im Vertrieb, damit der Plan in zwei Monaten wieder voll ist?

Beratung oder Umsetzung: wer was übernimmt

Das passende Kennzahlen-Set zu bestimmen, Zielwerte festzulegen und es mit dem Fahrplan zu verknüpfen, ist Beratung. Strategieentwicklung lässt sich als Beratung über das BAFA fördern. Bei einer Bemessungsgrundlage von 3.500 € beträgt der Zuschuss im Fall einer Bewilligung 2.800 € in Gebieten mit 80 % Förderquote, Ihr Eigenanteil liegt dann bei 700 €; in Gebieten mit 50 % sind es 1.750 € Zuschuss und 1.750 € Eigenanteil. Die Reihenfolge ist zwingend: erst der Antrag, dann das Informationsschreiben des BAFA, danach Vertrag und Beginn. Eine Förderung kann niemand zusagen; das BAFA entscheidet nach Ermessen. Details fasst der Überblick zur BAFA-Förderung 2026 zusammen.

Nicht förderfähig ist die Umsetzung, etwa der Aufbau eines digitalen Dashboards oder die Anbindung Ihrer Software. Sie wird getrennt beauftragt und abgerechnet — auf Wunsch über die Spezialisten unserer Markengruppe oder einen Dienstleister Ihrer Wahl. Warum diese Trennung wichtig ist, erklärt der Beitrag Beratung oder Umsetzung?

Ihr nächster Schritt

Bei ONFYR umfasst die Beratung fünf Beratungstage (40 Stunden) in vier bis sechs Wochen. Am Ende stehen Ihr Zielbild, ein Fahrplan und die Kennzahlen, an denen Sie jede Woche sehen, ob Sie vorankommen. Michael Selck ist beim BAFA als Berater akkreditiert (ID 228667). Wenn Sie klären möchten, welche Zahlen in Ihrem Betrieb wirklich führen, fragen Sie ein kostenloses Erstgespräch über unser Kontaktformular an oder buchen Sie direkt einen Termin: 30 Minuten, unverbindlich, werktags meldet sich innerhalb von 24 Stunden ein Mensch. Ida beantwortet Ihre erste Frage auch direkt hier auf dieser Seite.

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