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Ratgeber · KI ·

KI-Einführung im Mittelstand: Wie nehmen Sie Ihre Mitarbeitenden mit, statt Widerstand zu erzeugen?

Viele Inhaber rechnen bei der KI-Einführung mit technischen Hürden. Erleben sie dann Zurückhaltung, Skepsis oder stille Ablehnung im Team, sind sie überrascht. Dabei scheitern KI-Einführungen im Mittelstand selten an der Technik. Sie scheitern daran, dass Mitarbeitende nicht wissen, warum, wofür und mit welchen Folgen für ihre eigene Arbeit KI eingesetzt wird. Hier lesen Sie, wie Sie Akzeptanz schaffen: mit vier Schritten, die mehr mit Gesprächen zu tun haben als mit Software.

Ein Inhaber sitzt mit drei Mitarbeitenden aus der Sachbearbeitung am Tisch und hört zu, während eine Kollegin erklärt, welche Routinearbeit sie bremst

Wer die KI-Einführung im Mittelstand plant, beschäftigt sich zuerst mit Werkzeugen, Zugängen und Kosten. Das ist nötig, aber es ist nicht der Teil, an dem es hakt. Ob KI im Betrieb ankommt, entscheiden die Menschen, die täglich damit arbeiten sollen. Wenn sie Mitarbeitende mitnehmen wollen, brauchen Inhaber vor allem eines: einen Plan dafür, wie sie über KI sprechen, wen sie beteiligen und woran das Team merkt, dass es ernst genommen wird. Dass KI in vielen Betrieben ohne Plan und ohne Regeln läuft, gehört zu den vier Herausforderungen, die wir bei Inhabern im Mittelstand immer wieder sehen.

Warum Widerstand gegen KI selten mit Technik zu tun hat

Widerstand ist kein Zeichen von Bequemlichkeit. Er ist meist eine vernünftige Reaktion auf offene Fragen. Hinter der Skepsis stehen fast immer drei davon:

  • Warum? Was will die Geschäftsführung mit KI erreichen? Geht es um Entlastung, um Wachstum, um Kosten?
  • Wofür? Bei welchen Aufgaben soll KI helfen, und bei welchen ausdrücklich nicht?
  • Was heißt das für mich? Ändert sich meine Arbeit, wird sie überwacht, wird sie überflüssig?

Bleiben diese Fragen unbeantwortet, füllt das Team die Lücke selbst, und zwar selten mit der freundlichsten Deutung. Akzeptanz für KI im Unternehmen entsteht deshalb nicht durch eine bessere Vorführung, sondern durch bessere Antworten.

Vier Schritte, mit denen Sie Ihre Mitarbeitenden mitnehmen

1. Früh und ehrlich über Ziele sprechen, auch über Arbeitsplätze

Sprechen Sie über KI, bevor das erste Werkzeug im Haus ist, nicht danach. Erklären Sie in einer Teambesprechung, welches Ziel Sie verfolgen und welche Rolle KI dabei spielen soll. Die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz gehört auf den Tisch, auch wenn niemand sie laut ausspricht. Sagen Sie, was Sie wissen, und ebenso, was Sie noch nicht wissen. Versprechen Sie nichts, was Sie nicht halten können. Ein ehrliches „Wir wollen Routine abgeben, damit Sie mehr Zeit für Kunden haben, und wir entscheiden die nächsten Schritte gemeinsam“ wirkt stärker als jede Beruhigungsformel.

2. Schlüsselpersonen aus den Teams als Mitgestalter gewinnen

In jedem Team gibt es Menschen, auf deren Urteil die anderen hören. Das sind nicht immer die Führungskräfte. Oft ist es die erfahrene Kollegin, die jeden Ablauf kennt, oder der Kollege, der KI privat schon ausprobiert hat. Gewinnen Sie diese Personen früh als Mitgestalter: Sie wählen mit aus, testen, beschreiben Abläufe und sagen offen, was nicht funktioniert. Wichtig ist ein echter Auftrag mit Zeit dafür, nicht nur ein Platz in der Präsentation. Gibt es einen Betriebsrat, beziehen Sie ihn ebenfalls früh ein; welche Rechte er im Einzelnen hat, klären Sie mit Ihrer Rechtsberatung.

3. Mit einem kleinen, sichtbaren Anwendungsfall starten

Große Ankündigungen erzeugen große Erwartungen und große Sorgen. Ein kleiner Anwendungsfall dagegen zeigt im Alltag, was KI tut und was nicht. Wählen Sie eine Aufgabe, die regelmäßig anfällt, die viele kennen und bei der ein Mensch das Ergebnis prüft. Wenn Kolleginnen und Kollegen sehen, dass eine lästige Vorarbeit kürzer wird und die Entscheidung bei ihnen bleibt, verbreitet sich das schneller als jede Rundmail. Welche Kriterien einen guten Einstieg ausmachen, lesen Sie im Beitrag zur ersten KI-Anwendung im Betrieb.

4. Rückmeldungen ernsthaft einsammeln

Fragen Sie nach einigen Wochen nach, und zwar so, dass ehrliche Antworten möglich sind: Was hilft? Was nervt? Wo misstrauen Sie dem Ergebnis? Ernsthaft heißt, dass Rückmeldungen Folgen haben. Wird ein Ablauf angepasst, ein Werkzeug gewechselt oder ein Anwendungsfall gestoppt, sagen Sie es dem Team und nennen den Anlass. Wer erlebt, dass seine Kritik etwas verändert, gibt beim nächsten Mal wieder Rückmeldung. Wer erlebt, dass sie versandet, schweigt.

Ein Beispiel aus dem Alltag

Denken Sie an die Sachbearbeitung eines mittelständischen Betriebs, die täglich Aufträge erfasst, Rückfragen beantwortet und Unterlagen zusammenstellt. In einem ersten Szenario erfährt das Team per Rundmail von „dem neuen KI-Tool“, das ab dem kommenden Monat genutzt werden soll. Ein Link zur Anmeldung ist dabei, eine Erklärung nicht. Im Flur wird gerätselt: Soll das unsere Arbeit ersetzen? Wer prüft, was wir damit machen? Einige melden sich gar nicht erst an, andere probieren es kurz und kehren zu ihren gewohnten Abläufen zurück. Nach einigen Monaten heißt es: „KI bringt bei uns nichts.“

Im zweiten Szenario setzt sich die Geschäftsführung zuerst mit dem Team zusammen und stellt eine einzige Frage: Welche Routinearbeit bremst Sie am meisten? Die Antworten sind konkret, etwa das Abtippen von Angaben aus E-Mails oder das Zusammensuchen von Unterlagen für Standardanfragen. Eine erfahrene Kollegin, die im Team großes Vertrauen genießt, testet gemeinsam mit einem Kollegen, ob KI genau diese Vorarbeit verkürzen kann. Die beiden berichten in der Teambesprechung, was funktioniert und was nicht. Die Entscheidung über jeden Vorgang bleibt bei der Sachbearbeitung. Nach einigen Wochen fragt die Geschäftsführung erneut nach und passt den Ablauf an. Das Werkzeug ist in beiden Fällen dasselbe. Der Unterschied liegt allein darin, wie es ins Haus kommt.

Kommunikation, Regeln, Pflichten: was wohin gehört

Dieser Beitrag bleibt bewusst bei Kommunikation und Beteiligung. Zwei weitere Themen gehören zu einer KI-Einführung, sind aber eigene Aufgaben:

  • Regeln: Welche Werkzeuge freigegeben sind, welche Daten nicht hineingehören und wer Ergebnisse prüft, regelt eine kurze KI-Richtlinie. Wie sie aufgebaut ist, lesen Sie im Beitrag KI-Richtlinie im Unternehmen.
  • Pflichten: Der EU AI Act verlangt von Unternehmen, die KI einsetzen, ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz ihres Personals. Was das konkret bedeutet, steht im Beitrag zur KI-Kompetenz nach dem EU AI Act.

Beides wirkt besser, wenn das Team vorher beteiligt wurde. Eine Richtlinie, an der Praktiker mitgeschrieben haben, wird gelebt; eine Schulung, deren Zweck alle kennen, wird ernst genommen. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.

Beratung oder Umsetzung: wer was übernimmt

Das Zielbild für den KI-Einsatz, den Fahrplan und den Einführungsweg zu erarbeiten, also auch die Frage, wann Sie wen wie beteiligen, ist Aufgabe der Beratung. Sie beginnt bei Ihrem Ziel in drei Jahren und plant von dort rückwärts, wie beim Backcasting. Diese Beratung ist über das BAFA förderfähig. Bei einer Bemessungsgrundlage von 3.500 € beträgt der Zuschuss im Fall einer Bewilligung 2.800 € in Gebieten mit 80 % Förderquote, Ihr Eigenanteil liegt dann bei 700 €; in Gebieten mit 50 % sind es 1.750 € Zuschuss und 1.750 € Eigenanteil. Die Reihenfolge ist zwingend: erst der Antrag, dann das Informationsschreiben des BAFA, erst danach Vertrag und Beginn. Eine Bewilligung kann niemand zusagen; das BAFA entscheidet nach Ermessen.

Die Umsetzung ist nicht förderfähig: etwa Werkzeuge einrichten, an Ihre Systeme anbinden oder technische Schulungsumgebungen aufbauen. Sie wird getrennt beauftragt und getrennt abgerechnet, auf Wunsch über die Spezialisten unserer Markengruppe oder über einen Dienstleister Ihrer Wahl. Warum diese Trennung wichtig ist, erklärt der Beitrag Beratung oder Umsetzung?

Ihr nächster Schritt

Bei ONFYR umfasst die Beratung fünf Beratungstage (40 Stunden) in vier bis sechs Wochen. Michael Selck ist beim BAFA als Berater akkreditiert (ID 228667) und zertifizierter KI-Manager. Wenn Sie klären möchten, wie Sie KI in Ihrem Betrieb so einführen, dass Ihr Team mitzieht, fragen Sie ein kostenloses Erstgespräch über unser Kontaktformular an oder buchen Sie direkt einen Termin per Microsoft Teams oder Telefon: 30 Minuten, unverbindlich, werktags meldet sich innerhalb von 24 Stunden ein Mensch. Wie die BAFA-Förderung für Ihre Beratung funktioniert, zeigt das Rechenbeispiel auf unserer Startseite. Ida beantwortet Ihre erste Frage auch direkt hier auf dieser Seite.

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